bauernhof energieausweis

Was verrät der Energieausweis?

Wer seine Immobilie verkaufen oder vermieten möchte, ist gesetzlich dazu verpflichtet, einen entsprechenden Energieausweis zu liefern. Auf diese Weise soll es auch fachfremden Interessenten möglich sein, den Energiebedarf des Hauses auf einen Blick zu erfassen. Das Pendant dazu ist die allgegenwärtige Energieeffizienzklasse, beispielsweise bei Elektrogeräten.
Dadurch lassen sich leichter energetische Vergleiche zwischen verschiedenen Objekten ziehen.
Der Energieausweis muss, in Falle eines Kaufes, dem neuen Eigentümer spätestens zwei Wochen nach Vertragsschluss vorgelegt werden. Andernfalls drohen empfindliche Strafen mit Bußgeldern von bis zu 15.000 Euro, da es sich dann um eine Ordnungswidrigkeit handelt.


Wozu gibt es den Energieausweis?

Der Energieausweis soll in erster Linie den energetischen Zustand eines Objektes widerspiegeln. Durch ihn lässt sich ableiten, wie hoch der Energieverbrauch tatsächlich ist, ein nicht zu vernachlässigende Kenngröße beim Immobilienkauf.
So können sich potenzielle Interessenten vor dem Kauf bereits einen Einblick verschaffen, mit welchen Energiekosten sie jährlich etwas rechnen müssen. Ein weiterer Vorteil, es lassen sich leichter mehrere Objekte in Hinblick darauf vergleichen.
Als alternative Bezeichnung liest man gelegentlich auch Energiepass. Tatsächlich gibt es zwei verschiedene Arten:

  • Verbrauchsausweise
  • Bedarfsausweise

Verbrauchsausweis

Der Verbrauchsausweis ist nur möglich für Gebäude, welche nach 1978 errichtet wurden. Er stellt den tatsächlichen Energiebedarf der vergangenen drei Jahre dar und ist somit als recht authentisch anzusehen.
Um ihn ermitteln zu können werden Daten zur Nutzfläche der Immobilie, Baujahr, verbauten Heizsystems sowie die Anzahl der Wohneinheiten und der prozentuale Leerstand benötigt. Dadurch ist der Aufwand für die Erstellung eines Verbrauchsausweises geringer als beim Bedarfsausweis.
Hinzu kommen noch Informationen zum gemessenen Energieverbrauch der letzten drei Jahre, der Warmwasserverbrauch und der Energieträger.
Der Nachteil dabei, sofern man will, ist, dass der Wert sich direkt nach dem Heizverhalten der Bewohner richtet. So kann es sich bei abweichendem Heizverhalten teils stark verändern.
Da rund dreiviertel aller Wohnimmobilien hierzulande allerdings vor 1978 errichtet wurden, muss jedoch oftmals auf den sogenannten Bedarfsausweis ausgewichen werden.

Bedarfsausweis

Wurde das Haus vor 1978 erbaut, verfügt über höchstens vier Wohneinheiten und wurde in der Zwischenzeit nicht energetisch saniert, so muss ein Bedarfsausweis erstellt werden.
Um diesen anzufertigen bedarf es allerdings eines größeren Aufwands als beim Verbrauchsausweis. Neben denselben Informationen wie dort, müssen noch zahlreiche weitere Punkte berücksichtigt werden:

  • Zustand und Alter der Heizung
  • Zustand und Alter der Warmwasseraufbereitung
  • Bauform der Immobilie
  • Form des Dach- & Kellergeschosses
  • verbaute Fenster
  • angrenzende Bebauung
  • Dämmung des Dachs
  • Dämmung der Außenwände
  • Dämmung der obersten Geschossdecke
  • Dämmung der Fußböden über dem Keller/Fundament

Sobald diese zusammengetragen wurden, folgt die finale Auswertung. Auf diese Weise ergibt sich der Energiebedarfswert der Immobilie, unabhängig von unterschiedlichen Heizverhalten der Bewohner.
Allerdings gilt zu beachten, dass die Qualität bzw. die Präzision des Bedarfsausweises maßgeblich von korrekten Angaben und den Fachkenntnissen des Gutachters abhängig ist.

Energieeffizienzklassen

Energieausweise ab dem 01.05.2014 gliedern Wohnimmobilien in verschiedene, alphabetisch geordnete Klassen von H bis A+ auf, wobei letzteres den Idealfall darstellt.
A+ wird erteilt, wenn der gesamte Energiebedarf aufs Jahr gerechnet nicht mehr als 30 kWh/m² beträgt. Je weiter davon entfernt der Wert ist, desto schlechter eingestuft wird das Objekt, das Schlusslicht bildet dabei dann die Klasse H. In diesem Fall würden mindestens 250 kWh/m² anfallen, in der Praxis sehr selten, wenn auch nicht unmöglich, anzutreffen.
Um das Ganze optisch zu vereinfachen wird die Bewertung in einem Bandtacho dargestellt, zusätzlich farblich gekennzeichnet. Grün steht dabei bezeichnender maßen für effizient, gelb für mittelmäßig effizient, gefolgt von orange und abschließend rot für schlechte Energieeffizienz.

Was noch erwähnt werden sollte, der Energieausweis lässt auch Freiraum für Fehlinterpretation:
Beurteilt wird nämlich ausschließlich die Effizienz der Immobilie, nicht aber die des Energieträgers. Ob mit Gas, Holz, Öl oder Strom geheizt wird, bleibt dabei außen vor. Zwar findet sich die Angabe zum Energieträger im Ausweis wieder, dies hat jedoch keinerlei Einwirkung auf die zugeteilte Klassifizierung.
So können beispielsweise zwei, derselben Energieeffizienzklassen zugeteilten, Objekte gravierende Unterschiede in den tatsächlichen Heizkosten aufweisen.

Wie viel kostet die Erstellung eines Energieausweises?

Hier muss natürlich zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweis unterschieden werden.

Kosten Verbrauchsausweis

Da in diesem Fall nur wenige Daten benötigt werden und die Erstellung nicht viel Zeit in Anspruch nimmt, belaufen sich die Kosten auf etwa 50 bis 150 Euro. Dies hängt in erster Linie vom jeweiligen Anbieter ab.

Kosten Bedarfsausweis

Neben den variablen Kosten verschiedener Anbieter spielt hier auch die Größe des Objektes bzw. die Anzahl der einzelnen Wohneinheiten eine maßgebliche Rolle. So bewegen sich die Kosten für die Erstellung eines Bedarfsausweises etwa zwischen 200 und 1000 Euro.

Wie lange ist der Energieausweis gültig?

Der Energieausweis verfügt über eine Gültigkeit von 10 Jahren. Energetisch relevante Umbauten, wie Veränderung der Isolierung, etc., können allerdings früher zu einer erneuten Ausstellung des Ausweises führen.
Alternativ können auch andere, nicht mehr als 10 Jahre alte, Dokumente für die Ausstellung herangezogen werden. Dazu zählen unter anderem der Gebäudeenergiepass, Energiebedarfsausweis sowie der Wärmeausweis.

Wo erhalte ich einen Energieausweis?

Energieausweise dürfen lediglich von Fachpersonal ausgestellt werden. Diese finden sich meist unter Architekten, Bauingenieuren, Schornsteinfegern und Energieberatern.
Wichtig ist, dass eine der nachstehenden Zusatzqualifikationen vorhanden ist:

  • Fortbildung im Bereich des energiesparenden Bauens, gemäß EnEV Anlage 11
  • In den Bereichen energiesparendes Bauen oder Bau/Anlagentechnik Hochbau öffentlich als Sachverständiger bestellt
  • Studium mit Schwerpunkt auf energiesparendem Bauen, alternativ Berufserfahrung von wenigstens 2 Jahren im Bereich Bau-/Anlagetechnik

Ausnahmen

In manchen Fällen kann auf den Energieausweis verzichtet werden. Dies gilt zum Beispiel für denkmalgeschützte Objekte oder Häuser mit einer Nutzfläche unter 50m².
Soll die Immobilie darüber hinaus abgerissen werden und bloß der Baugrund genutzt werden, benötigt man ebenfalls keinen Ausweis.

 

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